architekturbüro
   rotter  
 
 
energiehaus..
..projekt
 
Typ
  
Haustyp: Doppelhaus
Bauherr: privat
Architekt: Werner Rotter, Erding
Holzbau: Firma Kobus, Einharting
Standort: Erding, Friedhofstraße 6a,b
Grundstücksgröße: 916 qm
Wohnfläche gesamt: 355 qm
Umbauter Raum: 1597 kbm
Baubeginn: März 1997
Fertigstellung Gebäude: Januar 1998
Fertigstellung Freianlagen: Juni 1998
Baukosten: ca. 920.000 DM
Energiekennzahl: 41,65 KWh/qm/a
 
Lage
 
Das Grundstück liegt innerhalb eines reinen Wohngebietes ohne Bebauungsplan. Die umliegende Bebauung läßt keine Homogenität erkennen. Vom kleinen Nachkriegsgrenzbau über die Walmdachvilla bis zum Spitzdachhäuschen der fünfziger Jahre ist alles vertreten. Der Neubau nimmt die Frundflächendimension und Höhenentwicklung der Nachbarbebauung auf und fügt der vorhandenen Typenlandschaft ein weiteres Solitär hinzu.
 
Motiv
  
Zwei weitgehend identische Kuben sind ineinandergeschoben. Der obere Kubus ist um 16 Grad zur senkrechten geneigt. 
Die Höhendifferenz zwischen Traufe und First des Pultdaches wird durch Zwischenebenen in den einzelnen Geschossen genutzt. Erst im Untergeschoß wird der Höhenunterschied wieder aufgefangen. Die nördlich gelagerten Funktionsräume erhalten nur 2m lichte Raumhöhe, die südorientierten Räume mit vorgelagerter Abböschung hingegen großzügige 2,8m.
 
 
Ausrichtung
 
Der Baukörper erweitert sich horizontal wie vertikal in Richtung Süden. In der Horizontalen ist der erdgeschossig eingesteckte Kubus im Süden breiter als der aufgesetzte Kubus im Norden. In der Vertikalen schottet das Pultdach Richtung Norden ab. In die West-, Ost- und Nordfassaden sind nur wenige Öffnungen geschnitten. Die Fassaden sind stark wärmegedämmt und absolut winddicht ausgebildet. Die komplettverglaste Südseite läßt den Baukörper zu einer Sonnenenergiefalle werden. Ein außenliegendes, variables Verschattungssystem mit vorgehängten Sonnenkollektoren zur Brauchwassererwärmung macht den hohen Energiegewinn steuerbar.
 
Materialien
 
Die Außenhaut der Holzkuben besteht aus drei Materialien: Lärchenholz, Titanzink und Glas. Ein anthrazitfarbener, gestrichener Sockel läßt die Kuben optisch schweben. Der natürliche Gesichtswechsel des Lärchenholzes verlangt nach Zurückhaltung im Farbspiel. So setzen an der Nordfassade lediglich die Eingangstüren in ihrem rubinrot einen Farbakzent.
 
Verschattung
 
Die Südfassade ist im Erdgeschoss lotrecht und im Obergeschoss in einem Winkel von 74 Grad vollverglast. Im EG sorgen senkrechte Lärchenbretter in ihrer wagrechten Addition für ausreichenden Sonnenschutz. Im OG ist parallel zur Fassade im Abstand von ca. 70 cm eine Verschattungsebene aus verstellbaren Paneelen angeordnet.
 
Das Gebäude basiert auf einem 1,2m breiten Raster. Die Paneele spannen jeweils über zwei Rastereinheiten und sind 0,4m tief. Der Abstand der Einzelpaneele beträgt in geschlossenem Zustand 2 cm. Der maximale Öffnungswinkel liegt, entsprechend dem Stand der Sommersonne in unseren Breiten bei 64 Grad.
  
Positionsänderungen erfolgen manuell per Einhandhebelmechanismus. Die Paneele sind aus gewebtem, leicht transluzentem Stoff gefertigt, der durch Federspannung über dünne Stahlrahmen gehalten wird.
  
Bei geschlossener Stellung der Paneele bildet sich ein Mikroklima mit Pufferwirkung. Darüberhinaus ermöglicht die Distanz der Paneele zur Fassade eine problemlose Reinigung des Glases. In geschlossenem Zustand haben die Verschattungselemente den Charakter "schwebender" Segel.
 
Energiehaushalt
  
Die große Bautiefe (13,5m) reduziert das Oberflächen/Volumenverhältnis und senkt den Energiebedarf. Das Grundkonzept der Raumaufteilung nimmt ebenfalls Einfluß auf den Energiehaushalt des Gebäudes: 
 
Bereiche mit höheren Wärmeanforderungen sind zur Sonne hin ausgerichtet. Das Bad ist auf der Südseite des EG plaziert. Wohnküche wie Wohnraum befinden sich im OG, um die aufsteigende warme Luft zu nutzen. Der Nachteil des erschwerten Gartenzugangs wird durch die vorgelagerte Lärchenholzterasse kompensiert. Diese schwimmen wie Inseln auf dem Flachdach.
 
Dachbegrünung
  
Flachdach und Pultdach sind komplett begrünt. Die Dachbegrünung ist eine Maxime des Hauses:
Bauen ist stets ein Eingriff in die Natur. Die atmende Grünfläche, die mit jedem Neubau erstickt wird, sollte grundsätzlich durch eine Dachbegrünung ersetzt werden.